START 2012-2013 Phase 3

Vera Schüller
21.02.2013 10:49
 

In den kommenden Wochen geht ipsum - START 2012-2013  in die dritte Phase.

 

Ich, als Praktikantin bei ipsum, werde ebenfalls daran teilhaben und euch meine Eindrücke und Erlebnisse in diesem Blog schildern. Hier soll nun eine kleine Dokumentation dessen dargestellt werden, infolge derer die Arbeitsweisen und Reflexionsmöglichkeiten innerhalb des Projekts aufgezeigt werden.

 

Die Thematik der Workshops umfasst den Komplex 'Leben', genauer gesagt gibt es

6 Themen dazu, die von den 40 Jugendlichen vergangenen Herbst durch ihre fotografischen Arbeiten erschlossen wurden:

  • Alive
  • (Wie) lebst du?
  • Unsere Lebensweisen
  • Lebensfluss
  • Gefühlschaos
  • Selbstfindung

 

Die Jugendlichen intensivieren nun ihre Arbeit in vertiefenden Spezialworkshops:

  • Fotografie
  • Audio oder
  • Grafikdesign.

Jede dieser Gruppen bekam die Aufgabenstellung sich zu einem Impulsbild, welches frei zu einem der Themenkomplexe wählbar war, ein Konzept zu überlegen, welches dann in jedem weiteren Workshop weiter ausgearbeitet und erweitert wird. Später wird durch Zusammenarbeit der Gruppen ein größeres Ganzes entstehen, wozu alle in ihrem Bereich ein Stück dazu beitragen.

Phase 3 – Foto Workshop

Vera Schüller
21.02.2013 11:00
 

Am 09.02.2013 fand eines der Treffen der Gruppe Fotografie, unter der Leitung von Vera Brandner und Lisi Stöckl, statt. Hierbei drehte sich alles um das Medium Polaroid.

 

 

Nach einer kurzen Einführung, sowohl historischer als auch technischer Natur, sollten die TeilnehmerInnen innerhalb einer halben Stunde ein Polaroid anfertigen, welches inhaltlich zu ihrem jeweiligen Konzept passte.

 

 

Im Zeitalter der digitalen Fotografie ist es mittlerweile ungewöhnlich, sich auf ein einziges Bild beschränken zu müssen, daher war die Herausforderung dabei die Schulung des Blicks, die Beschränkung und Abwägung, sowie äußerste Konzentration bei dem einzigen Schuß.

 

 

Anschließend wurden Werke von großen FotografInnen durchstöbert, auf der Suche nach einem weiteren Bild, welche das Konzept des/r Einzelnen ein Stück mehr vervollständigen konnte.

Wichtig dabei war, benennen zu können, warum explizit das gewählte Foto einen Bezug zu den eigenen Gedanken, Ideen und Geschichten zu wecken vermag.

 

 

Diese Gründe, Gedanken sowie die Zusammenhänge zum eigenen Konzept, dem Impulsbild und dem angefertigten Polaroid wurden später jeweils gegenseitig gezeigt, beschrieben und diskutiert. Zur Sprache kamen nicht nur Interpretationsmöglichkeiten, sondern auch die verschiedenen, sich überschneidenden Genre der Fotografie.

 

 

Da Fotografie (mit Licht zeichnen, griech.) und deren Aussagekraft bzw. Wirkung auf den Rezipienten letztendlich auch von der Lichtstimmung abhängig ist, nicht ausschließlich von Motiv und Inhalt, wurden die TeilnehmerInnen dazu angehalten am Fenster Lichtstudien durchzuführen.

Hier sind einige Beispiele der bisher erarbeiteten Konzepte:

 

Entlang des Themas „Wie lebst du?“ erzählt Nahid über ihr Konzept. Dabei ist ihr die

Lebensphilosophie des Karmas sehr wichtig –

'Was man gibt, bekommt man zurück.'

So steht das Impulsbild der Weißen Taube für den Frieden, die rote Rose in ihrem Schnabel für die Liebe. In dem Fotobuch 'Testimony' von Gillian Laub, welches Kriegsopfer illustriert, ist das gewählte Foto der spielenden Kinder eines der wenigen, welches die kindliche Lebensfreude und Unbeschwertheit über die Hoffnungslosigkeit triumphieren lässt. Auf dem Polaroid ist ein kleiner Vogel zu sehen, welcher ebenfalls symbolisieren soll, dass jeder seinen eigenen Lebensweg wählen kann, selber entscheiden kann ob man lieber Freude oder Hoffnung schenkt oder Trostlosigkeit vermittelt – und dies auch zurückbekommt.

 

 

Von Rahma wurde die Thematik „Alive“ aufgegriffen, ausgehend von dem Impulsbild des Baumes, welcher die Anfänge – die Wurzeln- bis zum Ende – die Äste – darstellt. Der Baum des Lebens ist auch durch einige Wolken gekennzeichnet, dennoch klart der Himmel an einigen Stellen wieder auf. Die Kirche und Religion wurde hier als wichtiger Bestandteil des Lebens  festgehalten. Das Abbild (links) des alten Mannes im Buch 'Jerusalem through my Father's Eyes' von Kevork Kehvedjian greift die Symbolik des Baumes wieder auf, stellt aber zugleich einen alten, weisen Mann dar, der sein Leben gelebt hat und auf dieses zufrieden zurückblicken kann.

 

 

In diesem Konzept von Hava ist die Bewegung ein ausschlaggebendes Kriterium für die Wahl des Themas „Lebensfluss /Selbstfindung“. Das Impulsbild zeigt eine Wasserspiegelung und soll den Lebensfluss und das Unterbewusste skizzieren. So verwundert auch die Wahl der Fotoserie kaum, welche Afrikaner so darstellt, wie sie öfter gesehen werden sollten – nicht leidend, wie oftmals der Fall, sondern vielfälltig, in Bewegung, lebendig, außerhalb des westlichen Schubladen-Denkens. Die Selbstdarstellung spiegelt sich auch im Stilleben des Polaroids wieder – Musikplatten und Cds, denn im Leben kann jeder selbst seine eigene Musik auflegen.

 

In den nächsten Wochen werde ich in meinem Blog weiter über die Arbeit von ipsum und den jungen Leuten des START-Stipendienprogramms berichten.

Phase 3 – Audio Workshop

Vera Schüller
5.03.2013 19:08
 

Dieses Mal, am 17.02.2013, durfte ich das Team des Audio-Workshops, unter der Leitung von Nayla Haddad, Johanna Kellermann und Holger Hörtnagl begleiten und will versuchen, euch das Erlebte anhand meiner Dokumentation näherzubringen.

 

 

 

Anfangs wurde mit den Jugendlichen zusammen wiederholt, was beim letzten Workshop geschehen ist und das Ausgangsmaterial gesichtet. Darunter befanden sich diverse selbstangefertigte Tonaufnahmen sowie die drei Impulsfotografien der Gruppe, auf welche sich die Tonaufnahmen bezogen.

 

Die Impulsbilder zeigten ein Lagerfeuer, einen Himmel bei Sonnenuntergang und einen Kircheneingang, auf dessen Stufen eine Person kniete.

 

 

Hierzu wurden in der letzten Einheit Geräusche vertont, welche die Stimmung des jeweiligen Bildes wiedergeben, bzw. verstärken sollten.

 

Nach dieser Bestandsaufnahme sollten die noch fehlenden Tonaufnahmen angefertigt werden. Es war sehr spannend zu beobachten, wie die verschiedensten Hilfsmittel angewandt wurden um die gewünschten Effekte, wie das Knistern eines Feuers, Wind oder Schritte, zu erzeugen.

 

Anschließend rotierten die den Fotos zugehörigen Gruppen zwischen drei verschiedenen Stationen:

 

In einer Station wurden die aufgenommenen Töne geschnitten und in einen Zusammenhang gesetzt, sodass Soundcollagen zu den einzelnen Bildern entstanden.

 

In der zweiten Station wurden Konzepte erarbeitet um die verschiedenen Workshops zu vernetzen. Es sollte darüber reflektiert werden, in welcher Form man die Bilder der Fotogruppe mit den Tonaufnahmen der Audiogruppe und der Arbeit der Grafikgruppe verbinden und darstellen könne.

Außerdem überlegten die Jugendlichen wo dieser Output präsentiert werden könnte, beziehungsweise ob eine Präsentation generell erwünscht sei.

 

 

 

Hier kam es zu schönen Ideen, wie das Vertonen eines Daumenkinos, das Erstellen von QR-Codes, welche auf Soundcollagen zu den einzelnen Fotos zurückgreifen, oder das Anfertigen von Fotografien zu einem Sound der Audiogruppe und die anschließende Verarbeitung in Form von Plakaten durch die Grafikgruppe.

 

Die dritte Station befasste sich mit Sprechtechniken, Texten und Lautmalerei.

Dafür wurden anfangs zu den drei Impulsfotografien lautmalerische Begriffe und Interjektionen, wie beispielsweise 'blubb' oder 'nass', gesucht, um die Fotos betaggen zu können.

Aus diesen Tags sollten neue Texte entstehen, also eine Soundcollage aus eigenen auditiven Darstellungen, welche zu einem Gedicht formuliert wird. Dabei ging es nicht um den Inhalt, sondern um die Art des Vortragens, des Vermittelns und dessen Wirkung.

 

 

Am Ende wurden die erarbeiteten Konzepte in der Runde präsentiert und besprochen, wobei es sehr interessant war zu beobachten, wie die verschiedenen Gruppen zu ein und derselben Aufgabenstellung unterschiedliche Ergebnisse produzierten.

Phase 3 – Foto Workshop

Vera Schüller
24.03.2013 20:55
 

Am 09.03.2013 fand abermals ein Fotografie - Workshop statt, an welchem ich die Gruppe von Vera und Lisi begleitet habe.

Diesmal standen vor allem die jeweiligen Konzepte, Lichtstimmungen und die Planung der abschließenden Präsentation verstärkt im Mittelpunkt. Dazu wurden viele technische Hilfsmittel verwendet, vorgestellt und ausprobiert.

 

 

Zu Beginn haben wir uns die Konzepte (siehe Blog 1.Foto-Workshop), welche von den Jugendlichen seit dem letzten Mal weiterausgearbeitet wurden, per Beamer angesehen und besprochen. Jede/r wurde dazu aufgefordert, sein/ihr Konzept vorzustellen und anhand von drei Kriterien zu spezifizieren.

 

 

Diese drei Kriterien umfassten vor allem die sogenannten 'W-Fragen' :

  • Was und warum will ich erzählen? Hier wurde der Inhalt, bzw. die Aussage der Fotos besprochen.
  • Wie will ich zukünftig fotografieren? Diese Frage bezog sich vorwiegend auf die Technik und die Ausführung.
  • Wo und was will ich fotografieren? Wichtig bei diesem Punkt war der Ort, sowie das Genre, bzw. die Stimmung auf den Fotos.

 

 

Die Jugendlichen haben sich bei der Präsentation gegenseitig Fragen gestellt und beantwortet, Unklarheiten besprochen und sich gegenseitig mit Ideen inspiriert. Ich persönlich fand es wirklich spannend zu beobachten, dass hier mit sehr ähnlichen Gedanken gespielt wurde: ein Thema, welches immer wieder zum Vorschein kam, war die Vielfalt, welche offenbar eine wichtige Präsenz in dem Leben der Jugendlichen darzustellen scheint.

 

 

Anschließend wurden gemeinsam Wünsche und Ideen aufs Papier gebracht, welche die Örtlichkeit der baldigen, öffentlichen Präsentation sowie die Vorstellung der eigenen Werke betraf.

 

Als Einleitung für den praktischen Teil gab es eine Einführung in unterschiedliche Lichtsituationen mithilfe von künstlichem Licht.

 

 

Ich konnte geradezu mitfühlen wie die Begeisterung der Jugendlichen stieg, als es zur Erklärung von Einsatz und Auswirkung verschiedener Lichteinfällen kam. Enthusiastisch wurde diskutiert ob sich Licht von vorne oder von der Seite besser auf ein Gesicht auswirke und über das 'Monsterlicht' von unten gelacht, welches früher oftmals als dramatischer Effekt in Horrorfilmen eingesetzt wurde.

 

 

Die praktische Auseinandersetzung mit der Fotografie gliederte sich in diesem Workshop in drei Stationen auf:

 

Einerseits gab es die Möglichkeit sich weiter mit der Lichtanlage und einer digitalen Spiegelreflexkamera zu beschäftigen und auf diese Weise die jeweiligen Konzepte zu erweitern.

 

 

Andererseits konnte man sich auch für die rare Möglichkeit des Ausprobieren einer afghanische Kamera entscheiden, welche das Anfertigen eines Negativs, den Entwicklungsprozess und das Positiv inkludierte.

 

 

Die dritte Station bestand aus dem eigenständigen Umgang mit Polaroids in Zusammenhang mit dem Konzept. Auch hier konnte mit künstlichem Licht gearbeitet werden.

 

 

 

Zum Schluss wurden in einer Nachbesprechung die Ergebnisse des Workshops präsentiert und aufgearbeitet.

Meines Empfindens nach, habe ich heute zum ersten Mal bei einigen der Jugendlichen wirklich die Leidenschaft für Fotografie aufflammen sehen. Es war sehr inspirierend zu beobachten, wie sie plötzlich der Spass an der Sache kreativ werden ließ. Ich bin schon gespannt, wie sich das beim nächsten W